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1995-1997: Die B-Klasse-eine Klasse für sich

Es war einmal an einem ersten Schultag nach den Sommerferien. Der Blick auf unsere neue Lehrerliste erfüllte uns sofort mit Grauen, bei dem Gedanken an das Kommende. Wie sollten wir die nächsten zwei Jahre ohne schwere seelische Schädigungen überstehen? Es war das Kabinett des Horrors:
Lothar F.!!, Elfi H., Heidemarie L.,.....
Nach mehreren mißlungenen Suizidversuchen, wankten wir benommen in Richtung Klassenzimmer. Wenige Minuten nach acht Uhr kam es zum ersten Kontakt mit unserem neuen Klassenleerer: Frau H.. Unser Eindruck entsprach fast völlig der gängigen Beschreibung eines schickigen Sozialkundelehrers. Es folgten die ruhigsten fünf Minuten – nein besser die ruhigsten fünf Sekunden ihres zweijährigen Unterrichtes, als Folge eines allgemeinen Schockzustandes. Es brach keine Panik aus, im Gegenteil dieser Notstand schweißte die Klasse mehr denn je zusammen.
Wir erklärten ihr den Krieg!
So glich innerhalb kürzester Zeit Frau H.`s Autorität der einer Parkuhr. Dies zeigte sich zunächst in einem maximalen Anstieg des Geräuschpegels (es hätte jemand in der letzten Reihe erschossen werden können ohne, daß dies die erste Reihe vernommen hätte). Mit unserer Offensive konfrontiert, verteidigte sie sich mit einer ihrer berüchtigten Mutationen, welche wie folgt aussah: Blitzschnell ergriff sie ihre grüne Mappe und preßte sie schmerzhaft in ihren Bauch. Dieser martialische Akt wurde durch Standardlaute wie "Neeeeeeeeeiiiiiiiin" oder "Sooo duuu schreibst" vervollständigt. Wahllos und auch wirkungslos kritzelte sie einige Schülernamen auf ein Blatt, die dazu verdammt sein sollten eine ihre gefürchteten Strafarbeiten zu machen. Eine sorgfältigen Statistik zufolge (nach "Bitsch`schen Wahrscheinlichkeitsgesetzen") wurde von diesen unzählbaren Strafarbeiten keine einzige erledigt.
Neben diesem Kriegszustand, der einen Großteil ihres Unterrichtes füllte, lernten wir noch sehr viiiieeeel, .......nur leider kein Deutsch:
- Diskussionsführung auf höchster intellektueller Ebene
- Durchführung von Abstimmungen über essentielle Dinge wie Wandertage oder Lektüren. So kam es, daß bei diesen entweder jeder oder keiner seine Stimme abgab und jegliche Entscheidung (falls eine zustande kam) grundsätzlich angefochten wurde. So war es uns möglich das Ergebnis über einige Stunden hinauszuzögern.
- Professionelles "Bänke-durch-den-Saal-schieben" gehörten ebenso zu unserem neu erlernten Repertoire wie das "Ball - spielen – im – Unterricht".
Es ereignete sich schließlich eines Tages, daß Frau H. sich nicht anders zu helfen wußte, als mit unserem Direktor zu drohen. Doch auch diese Maßnahme zeigte sich gänzlich unwirksam, so war Christian B. (Name von der Redaktion geändert) bereit auch diese Bürde auf sich zu nehmen, um den Kampf gegen Frau H. zu einem Erfolg für uns werden zu lassen, und trat den schweren Marsch zu Franz M. an, natürlich begleitet von aufbauendem Jubel und stehenden Ovationen seiner Mitschüler. Nach diesem Vorfall wurde ein Waffenstillstand ausgehandelt, der allerdings nur zwei Wochen Bestand hatte – danach ging die Schlacht um die Vorherrschaft in Raum 322 mit unverminderter Härte weiter.
Dies war der Wendepunkt des Krieges-so drehte der Krieg zu unseren Gunsten, selbst der knallharte Vermittler Jörg E. konnte uns nicht zu einer Einstellung der Kampfhandlungen bewegen (Drohung von seiten E.`s: Absage der Abschlußfahrt). Am Ende des Krieges, also des Schuljahres, war es uns möglich mehrere erbeutete Trophäen vorzuzeigen (im Schrank gehortete Brillenetuis).
Trotz der Tatsache, daß wir leider nur wenig vom eigentlichen Lehrstoff mitbekamen, hatten wir doch unseren Spaß und wir hoffen, daß auch Sie, Frau H., mit uns etwas Spaß gehabt haben, so war unseren Scherze keineswegs gegen Sie persönlich gerichtet, sondern da Sie nun einmal unsere Lehrerin und damit der natürliche Feind eines jeden Schülers, waren jene Aktionen gegen sie als Lehrerin gerichtet und hätten auch jeder anderen Person widerfahren können, wenn diese zu der beschriebenen Zeit unser Lehrer bzw. Lehrerin gewesen wäre.
Deshalb sagen wir Danke für die lustigen zwei Jahre mit Ihnen.

Ihre (böse) 10b
Autoren: Andre B., Julian M., Arnout P.