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Master G - Das Grauen hat einen Namen


Es begann mit der 1. Physikstunde in 12/1, als ein bestgelaunter, wissbegieriger und experimentierfreudiger Kurs voller Spannung Schenkels Nachfolger (waren die düsteren Zeiten des Rolli Schenkel - siehe alle vorherigen Bierzeitungen - jetzt endlich vorüber ?) erwartete. Einigen von uns war er aus seiner Referendarzeit noch in guter Erinnerung und diejenigen von uns, die ihn auch in Informatik kennenlernen sollten, waren noch guter Dinge. Nach mysteriösen Jahren an der Gesamtschule (bis heute ist ungeklärt, welche Schrecken ihn dort so nachhaltig prägten) war er nun bereit in die Fußstapfen des "Breezzelaarsch" zu treten.
Eine Witzfigur von breitgrinsendem Spargeltarzan mit ungekämmten Haaren betrat den Saal, ließ seinen Blick prüfend über den Kurs schweifen und Es sprach: " So, so ... ihr wollt also Physik-Lk machen, habt ihr euch das auch wirklich gut überlegt !?!" Nichts ahnend empfanden wir dies als eine netten Geste um das Eis zu brechen, erst später sollte uns die wahre Bedeutung dieser Worte klar werden.
Bleibt noch anzumerken, daß dies das erste und einzigste Mal war, das er nicht exakt 9’50 Minuten zu spät kam. Ob dies wohl an seinem ausgefallenen Kleidungsstil lag, oder ob er sich einfach nur für uns hübsch machen wollte? Wohl kaum: Ungebügelte, monatelang getragene Hosen im 70iger Jahresstil zu unpassenden ebenso lang getragenen halb aus der Hose hängenden Hemden, sprechen für sich!
Nachdem ja der Oberstufenunterricht auf das Studium vorbereiten soll - was sich Gassi sehr zu Herzen nahm - war der Unterrichtsablauf vorprogrammiert. Für uns wäre es wahrscheinlich besser gewesen Physikvorlesungen an der Uni zu besuchen, anstatt sich 2 Jahre lang mit ungegliederten, chaotischen, oft zu zusammenhangslosen Vorträgen und Tafelanschrieben (prinzipiell ohne Überschriften) unterbrochen von unüberschaubaren Einschüben, Ergänzungen und Erklärungen der Marke "Das könnt’ Ihr Euch ja zu hause selbst herleiten" herumzuärgern.
Die häufigen Experimente klappten trotz stundenlanger Vorbereitungen ("Also ... gestern ging’s noch") meist erst nach mehrmaligem Anlauf oder Korrektur von seiten der Schüler ("Schalten sie mal den Strom ein" ; "Stecken sie doch mal den Stecker rein"; "Das ist doch falsch gepolt").
Sei es in Physik oder besonders in Informatik mit seiner Fachkompetenz war es nicht weit hergeholt. Fragen zum Unterricht, die nicht von seinem vorbereiteten Zettel abgelesen werden konnten, wurden stets mit einem breiten Grinsen und einem Themenwechsel totgeredet. In Informatik versuchte er mit gelegentlichen Kaffeebesuchen sowohl seine Unlust als auch seine fachliche Inkompetenz vor uns zu verbergen. Angefangene Programme konnten von den meisten Schülern nicht beendet werden, da "unser Christoph" schon wieder das nächste Thema für uns bereit hielt. Diese Themen bestanden im allgemeinen aus Kopien ungeklärter Herkunft, die von uns 1:1 übernommen werden mußten. Alternative Lösungsvorschläge, die nicht mit besagten Kopien übereinstimmten, wurden nicht akzeptiert. Eine besondere Vorliebe hatte Baby-G dafür, hilflose Schüler an der Tafel bloßzustellen. Stellte sich heraus, daß der Schüler wider Erwarten die geforderten Aufgaben lösen konnte, wurde solange gebohrt, bis eine Schwäche gefunden oder der Schüler komplett verwirrt war. Gelang dies nicht, hatte er plötzlich keine Lust mehr zur Benotung. Ehrlichkeit über eigenes Unwissen wurde stets durch derartige Tafelfolter belohnt. So kam es, daß ein besonders geknechteter Schüler kurzerhand wutschnaubend den Saal verließ. Häufiger kam es jedoch vor, daß Schüler unfreiwillig den Saal verlassen mußten. Sei es aufgrund einer penetranten Stimme oder wegen Unterrichtsstörung durch einen schwerverletzten Schüler, der seine Krücken auf einen Stuhl legte. So entwickelte sich mit der Zeit ein inniges, freundschaftliches Verhältnis zwischen ihm und seinen Schülern, die er liebenswürdig als Parkbänke bezeichnete.
Gelegentlich versuchte unsere Primaballerina in einem Anflug von Menschlichkeit mit Hilfe seiner pädagogischen und psychologischen Kenntnisse eine bessere Beziehungen zu seinen "Gassen-Jüngern" herzustellen. Vielleicht hat er das ja auf einer seiner zahlreichen Fortbildungen gelernt; allerdings ohne spürbaren Erfolg. - Aber bekanntlich zählt ja allein der gute Wille. - Was auch immer Ziel jener Fortbildung war, Fachwissen und Pädagogik waren es ebenso wenig wie Diskretion. Hemmungslos zog er über abwesende Schüler und deren Kursarbeiten her.
Wen wundert es da, daß nur eine einzige Schülerin den Mut hatte, Physik in 13/2 nicht abzustufen (die Fächerkombination ließ es nicht anders zu!).
Im Laufe der letzten 2 Jahre blieb uns auch das Privatleben des G. (ließ G-Punkt) nicht verborgen. Sei es seine Vorliebe sich durch die Unibiliothek zu lesen oder im schicken Tütü Balett zu tanzen. Erwähnenswert wäre hier noch seine Freundin ,welche er mittlerweile geheiratet hat.

F a z i t:
Sehr geehrter Herr Gassenmeier,
was wir trotz allem noch los werden wollten: Ihre Vorsätze zur Verbesserung des Arbeitsklimas waren zwar durchaus lobenswert, jedoch hätten sie dauerhafter und konsequenter verfolgt werden müssen. Die Café-Besuche in Informatik waren zum Beispiel eine angenehme Abwechslung zum sonstigen Unterrichtstrott. Übrigens : die Vorbereitung zum Physik-Abi - vor allem in den Informatikstunden - waren informativer als die gesamten 2 Jahre vorher. Witzig fanden wir auch ihr Kennenlernspiel der Marke: " Ich heiße ..., und DU ???", um uns untereinander bekannt zu machen (die wir uns schon 5 Jahre kannten).

V i e l G l ü c k in der Ehe Bernd B., Florian R. & Petra W.

Hier noch einige Kostproben aus 2 Jahre Physik-Lk:
Wenn ein Photon ruht und ein zweites sich mit gleicher Geschwindigkeit darauf zu bewegt ...
Das müßt ihr euch nicht merken, das müßt ihr nur können.
Stellt euch vor es ist Nacht und ihr seht einen Stern, zum Beispiel die Sonne ...
zum Info-Kurs : Ich lege keinen Wert auf eure Anwesenheit. Ich unterschreibe euch auch die alle Entschuldigungszettel.
Das können ja meine 7.-Klässer besser.
Ich mach euch das jetzt mal vor, aber ihr müßt das ja nicht verstehen.