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Meisterin der höheren Mathematik


Nach der Auslosung zu Beginn der 12. Klasse, in der entschieden wurde, wer von uns dem Mathegroßmeister Diehl entrinnen konnte, wurden wir zwei Jahre lang von Frau Prinz in die Geheimnisse der höheren Mathematik eingeweiht. Denn diese wären uns wohl bei besagtem männlichen Kollegen für immer ein Buch mit sieben Siegeln geblieben.
Frau Prinz verfügt über sehr gute Fachkenntnisse und schaffte es mit ihrer Engelsgeduld, diese auch den weniger Mathebegeisterten unter uns näherzubringen. Sie konnte allerdings nicht verhindern, daß der Rest bei der x-ten Wiederholung grundlegendster Sachverhalte gelegentlich in einen leichten Dämmerschlaf verfiel. Somit blieb aber gesichert, daß jeder zumindest ungefähr wußte, worum es eigentlich ging. Sobald die Themen jedoch zu komplex wurden, beruhigte sie uns mit der Bemerkung, daß wir schließlich kein Leistungskurs seien und uns über die schwierigen Probleme nicht den Kopf zerbrechen zu brauchten. So blieben wir - im Gegensatz zu unserem oben erwähnten Parallelkurs - immer ein Grundkurs.
Trotzdem verstand es Frau Prinz, den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten. So kamen wir regelmäßig in den Genuß einer unangesagten Hausaufgabenüberprüfung am frühen Morgen und der gewünschte Überraschungseffekt blieb nie aus. Während sich die Anzahl der Tests in der Zwölften auf einen pro Quartal beschränkte, eskalierte Frau Prinz' Überprüfungswut in den Monaten vor dem Abi vollkommen, so daß ein Teil ihrer Schüler sieben mal in der ersten Stunde unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde. Warum allerdings die andere Hälfte ihrer Schützlinge mit weniger HÜ‘s davonkam, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Um bei uns nicht in Ungnade zu fallen, ließ sie uns fairerweise kurz vor dem Abi die schlechtesten Noten streichen.
Nicht zu spaßen war mit ihr, wenn es um Fehlstunden ging. Jeder, der für seine Führerscheinprüfung, Musterung oder einen Arzttermin nicht im voraus vom Stammkursleiter beurlaubt worden war, mußte mit einer unentschuldigten Fehlstunde rechnen, und hatte er noch so triftige Gründe. Wer auf Nummer sicher gehen wollte, entschied sich für Ausreden wie "Krankheit", "Übelkeit" oder "Kopfweh", die kommentarlos entschuldigt wurden, und einem jede Menge Ärger ersparten. Wann immer es uns gelang, vom Thema abzuschweifen, erfuhren wir so manches Detail aus dem Privatleben unserer Lehrerin. Sie erzählte uns oft von ihrem Hund oder ihrer Schwester und erheiterte uns mit Anekdoten aus ihrer Studienzeit. Die Dauerbaustelle in der Ludwigstraße bot lange Zeit weiteren Anlaß zu Diskussionen Über das Parken auf dem Lehrerparkplatz und dem Radweg. Dabei kam auch das Thema "Führerschein" nicht zu kurz.
Leider konnten wir Frau Prinz selbst in den letzten gemeinsamen Stunden nicht dazu überreden, den Unterrichtsraum mit uns zu verlassen; sei es zum Kaffeetrinken oder Eisessen gehen. Nicht einmal auf einen Besuch der Cafeteria im Erdgeschoß wollte sie sich einlassen, denn das würde ihrer Ansicht nach dem ohnehin angeschlagenen Lehrerimage noch mehr schaden. Daß sie mit dieser Meinung allein dastand, störte sie nicht im geringsten.
Abschließend läßt sich sagen, daß wir mit Frau Prinz ein wirklich gutes Los gezogen hatten, und der Unterricht bei ihr meistens Spaß gemacht hat. Dafür möchten wir uns im Namen unserer beiden Mathekurse bei Ihnen bedanken.

Verena K. & Petra W.